Einer Spielerin des FC Staad ist das Auto gestohlen worden. Im Kofferraum befanden sich die Heim- und Auswärts-Dresses des NLA-Vereins. Der FC Staad fühlt sich vom Pech verfolgt.

Yves Solenthaler/ Rheintaler
FUSSBALL. Der Schock sass tief bei der Staader Spielerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, als sie am Samstagmorgen ihr Auto nicht mehr vorfand. Umso mehr, als sie die zwei Trikot-Sätze des FC Staad in ihrem Kofferraum verstaut hatte. Und dieses Problem war drängend, denn am Abend sollten die Seemädchen auf dem GC-Campus in Niederhasli in die Saison starten.

«Wir konnten zum Glück noch ein paar alte Trikots auftreiben – sonst hätten wir gegen GC gar nicht antreten können», sagt Luc Haltner, Leiter der Frauenabteilung beim FC Staad. Das ist allerdings der einzige Wink von Fortuna. Denn auch im Spiel gegen die Hoppers wurden die Seemädchen vom Pech verfolgt: Nachdem sie zwischen der 54. und 80. Minute einen 0:3-Rückstand aufgeholt hatten, verhinderte der Pfosten bei Claudia Stilz‘ Abschluss den möglichen Siegtreffer – dafür fiel das 4:3 dann auf der anderen Seite.

Die fehlenden Trikots wiegen aber schwerer als die fehlenden Punkte.

Pech auf allen Ebenen

«Wir sind nicht sicher, ob die Versicherung für den Schaden aufkommt», sagt Luc Haltner, Leiter der Frauenfussball-Abteilung auf dem Bützel. Wenn nicht, wäre der Trikot-Diebstahl «für uns der Super-Gau», wie es Haltner sagt.

Natürlich hoffen Verein und Spielerin, dass sowohl Auto wie auch Trikots wieder auftauchen. Aber klar ist auch, dass dem Verein das eigene Hemd – sprichwörtlich – näher ist. Das Auto wurde am Samstag um 1 Uhr beim Grenzübertritt nach Österreich registriert. «Die Schachteln mit den Trikots sind doch für den Dieb oder die Diebe nur Ballast – vielleicht werden sie ja im Strassengraben entsorgt, und ein ehrlicher Mensch findet sie.» Wahrscheinlicher ist aber, dass die Spielkleidung unauffindbar bleibt.

«Immer trifft es die Kleinen», beklagt sich Luc Haltner. Denn der FC Staad ist nicht auf Rosen gebettet. Er spielt zwar seit acht Saisons ununterbrochen in der Nationalliga A, statt sich aber finanziell der Konkurrenz anzunähern, klafft die Schere immer weiter auseinander: «Genau lässt sich unser Budget nicht beziffern, weil wir mit den Männern zusammen ein gemischter Verein sind, aber es liegt zwischen 40 und 50 000 Franken.» Das sind gerade mal 4 bis 5 Prozent des Betrags, den andere NLA-Vereine für eine Saison zur Verfügung haben: «Der FC Basel zum Beispiel kann mit einer Million Franken wirtschaften.» Staad kann es sich nicht leisten, den Spielerinnen – auch nur symbolisch – etwas zu bezahlen. Trainiert wird viermal die Woche abends, bei anderen Clubs gibt’s sechs Trainings, dank Teilzeitpensen auch oft am Vormittag.

Team NLA Saison 2016-17

Beim Fototermin vor der neuen Saison hatten die Staaderinnen ihre Trikots noch, vor dem ersten Match sind sie aber gestohlen worden. (Christian Wenger)

Bei diesen Zahlen wird klar, wie gut der Verein arbeiten muss, um sich schon so lange in der NLA halten zu können. Aber das Staader NLA-Wunder fortzusetzen, wird immer schwieriger. «Wir wären inzwischen bereit, den Spielerinnen Punkteprämien zu zahlen – aber wir können es uns nicht leisten», sagt Haltner. Erst recht nicht, seit die Schweizer Wirtschaft wegen der Frankenstärke stockt (und deshalb Sponsoren abhanden gekommen sind).

Gesucht: Eine Million

Gefragt sind kreative Ideen. In nächster Zeit wird der Verein einen Flyer in Umlauf bringen: «Staader NLA-Team sucht 1 000 000 Franken». Der Betrag ist ironisch zu verstehen, mit der Geldsuche ist es dem Verein aber bitterernst.

Sollte sich tatsächlich ein Millionär des FC Staad erbarmen, wäre der Verlust der Trikots bestimmt zu verkraften.