Jana Brunner

Jana Brunner im Oktober 2015 im Tricot des FC Staad – Archivbild: Christian Wenger

Die Schweizer Fussball-Nationalspielerin Jana Brunner aus Altstätten erzählt an der Sportoberstufe OMR in Heerbrugg, wie sie den Weg an die Spitze geschafft hat. Sportschüler, Eltern und Lehrer lernen eine zielstrebige junge Frau kennen.

Beni Bruggmann

Allmählich nehmen die Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem stürmischen Regensonntag in der Aula des Schulhauses Am Bach in Heerbrugg Platz. Am Rednerpult wartet die Referentin minutenlang auf den Anfang. Kein ner­vöses Blättern im Manuskript. Keine unsicheren Blicke ins ­Niemandsland. Jana Brunner, 20-jährig, weiss genau, was sie will. So steht sie da: Gut vorbe­reitet, überzeugt, ruhig, selbst­sicher. Und wer sie schon auf dem Fussballplatz gesehen hat, wird bestätigen: Überzeugt, ruhig, selbstsicher, gradlinig, genau so spielt sie als Verteidigerin.

Pascal Rohrer, Koordinator der Sportoberstufe OMR, stellt die Fussballerin vor, die sofort mit einem Video einsteigt, das ihr Leben skizziert, nicht nur auf dem Fussballplatz. «Ich bin gerne in der Natur», sagt sie, «dort kann ich mein Hobby pflegen, das Fotografieren.» Ihr geschultes Auge spürt man bei der Powerpoint-Präsentation. Jana Brunner hat sie selbst zusammengestellt. Bilder und Texte führen das Publikum ruhig und gradlinig durch den Vortrag, der – es ist halt Fussball! – genau eine Halbzeit lang, also 45 Minuten dauert.

Jana Brunner liebt das ­Laufen und ist schnell

Die kleine Jana geht in Altstätten in die Jugi, betreibt Leichtathletik, liebt das Laufen und bemerkt, dass sie schnell ist. Obwohl niemand in der Familie Fussball spielt, kommt sie zum FC Altstätten. Früh spielt sie, als einziges Mädchen, in Bubenteams. Und sie verliebt sich – nicht in einen Mitspieler. «Ich habe mich in den Fussball verliebt», sagt sie heute. Diese Liebe hat sie in wunderbare Höhen, bis zur Nationalspielerin, geführt.

Zuerst aber sichert sie die ­berufliche Zukunft und macht eine Lehre bei der St. Galler Kantonalbank. In dieser Zeit lehnt sie sogar ein Aufgebot zur U-15-Nationalmannschaft ab. Ihre Zeit kommt noch. Sie spielt fünf Jahre beim FC Staad. «Natürlich kämpften wir gegen den Abstieg, aber gelegentlich gelang es uns, eines der grossen Teams zu ärgern», erinnert sie sich. Sie meint damit Siege zum Beispiel gegen die übermächtigen FC Basel oder FC Zürich. «In Staad erlebte ich eine tolle Zeit. Staad ist ein familiärer Verein und eine ideale Ausbildungsbasis. Ich konnte daheim leben und in der Nähe arbeiten.»

Mit dem Schritt zum FC Basel, den sie auf Anfang dieses Jahres gemacht hat, verändert sich vieles. «In Basel haben wir super Trainingsbedingungen, alles ist bestens organisiert», sagt sie. Zusammen mit ihrer Staader Kol­legin Sabrina Horvat lebt sie in einer WG. «Wir sind von daheim in kurzer Zeit mit dem Velo auf dem Trainingsplatz.»

«Viele arbeiten Teilzeit oder studieren, wie ich»

Jetzt spielt Jana Brunner in einem Spitzenteam. «Bei uns ist niemand Vollprofi», sagt sie, «viele arbeiten Teilzeit oder studieren, wie ich.» An der FFHS, an der Fern-Fachhochschule Zürich, belegt sie das Fach Betriebsökonomie.

In dieser Vorrunde hat sie jedes Spiel über 90 Minuten bestritten, gehört also zum Stamm. Das war im ersten Halbjahr nicht so. Den Platzverweis damals in einem Cupspiel – ihre einzige rote Karte notabene – vergisst sie nicht mehr und benutzt diesen Vorfall, um den Zuhörern zu ­zeigen, wie nahe im Sport Hoch und Tief sind. «Rote Karte, ein schlimmes Tief, und im nächsten Spiel wieder dabei. 3000 Zuschauer in Basel, und ich erziele ein Kopftor. Was für ein schönes Gefühl. So ist der Sport.»

Ziel: Einen Stammplatz in der Nati erkämpfen

Jana Brunner hat es in diesem Jahr ins Nationalteam geschafft. An der EM-Endrunde im Sommer in Holland stand sie beim Sieg gegen Island während des ganzen Spiels in der Abwehr. Da will sie einen Stammplatz erkämpfen.

Den jungen Zuhörern rät sie zu Fleiss und Durchhaltewillen, zu Freude und Überzeugung. Als sie von schönen Fussballerlebnissen erzählt, erwähnt sie eines der bekanntesten Juniorenturniere in Europa, den Cordial-Cup in Kitzbühel. Da wird einer der Sportschüler unruhig. Federico Crescenti, ein 14-jähriger Rhein­ecker, der beim FC St. Gallen spielt, hat in diesem Jahr genau dort gespielt und wurde sogar zum besten Spieler des Turniers gewählt. Er hat Jana Brunners Ausführungen aufmerksam verfolgt. Was nimmt er als Wichtigstes mit? «Zuerst will ich eine gute Lehre machen.»