Hannah Oberdorfer (re.) jederzeit mit grossem Einsatz – Archivbild: Christian Wenger

Die Frauen von St. Gallen-Staad vergeben in der Nachspielzeit den Sieg gegen Servette FC Chênois Féminin. Das Spiel endet 2:2. Hannah Oberdorfer spielt zum ersten Mal von Beginn weg.

 

Beni Bruggmann

«71. Minute: Katja Beck ersetzt Hannah Theresia Oberdorfer», heisst es in der Match-Statistik über das Nationalliga-B-Spiel zwischen den Frauen von St. Gallen-Staad und Servette FC Chênois Féminin. Damit haben die beiden Frauen, die unter der Woche eine Fahrgemeinschaft zum Training bilden, zusammen das ganze Spiel bestritten. Katja Beck aus Liechtenstein nimmt jeweils Hannah Oberdorfer aus Brederis bei Rankweil mit.

Die Vorarlbergerin schaut auf eine schwierige Startzeit beim neuen Frauenteam des FC St. Gallen-Staad zurück. In den ersten drei Spielen kommt sie überhaupt nicht zum Einsatz, im Cupmatch gegen GC reicht es gerade mal für die drei letzten Minuten. «Es war eine harte Zeit», sagt sie, die in der letzten Saison bei Staad Stammspielerin war. Kein Wunder: Durch den Zusammenschluss sind im Moment 26 Spielerinnen im Kader. Der Konkurrenzkampf ist gross: «Allein um die beiden Innenverteidigerpositionen bewerben sich sechs Spielerinnen.»

Nicht bereit

Diesmal klappt es, die Abwehrspielerin steht in der Startformation. Aber schon nach sechs Minuten erzielen die Gäste das Führungstor. «Wir waren nicht bereit», sagt Oberdorfer und übernimmt eine Mitschuld am Tor. St. Gallen-Staad kehrt das Spiel in der zweiten Halbzeit und geht durch Tore von Stephanie Brecht und Manuela Beerli in Führung. Der vierte Sieg in Folge scheint möglich, doch in der Nachspielzeit gleichen die Gäste noch aus. «Dumm gelaufen», sagt Oberdorfer.

Mit ihrem ersten Einsatz ist sie nicht zufrieden: «Es war eine mittelmässige Leistung mit Höhen und Tiefen». Nicht alle Zuspiele gelingen, im Zweikampf ist sie nicht fehlerlos. Die weiten Wege in den gegnerischen Strafraum bei Eckbällen und Freistössen zahlen sich nicht aus: Die grösste Spielerin (1.74m) kommt zu keinem Kopfballabschluss. Nach 71 Minuten wird sie ausgewechselt. «Ich war überrascht, dass ich vom Feld musste.»

Im Studium

Hannah Theresa Oberdorfer ist 18 Jahre alt. Sie wohnt bei den Eltern in Brederis, einem Ortsteil von Rankweil. Nach der Hauptschule besuchte sie das Sportgymnasium in Dornbirn. Seit einer Woche studiert sie an der Uni in Feldkirch Mathe und Deutsch. Sie will Lehrerin werden.

Fussball hat sie schon immer gespielt, natürlich meistens als einziges Mädchen in einem Knabenteam. Zuerst beim SK Brederis, nachher in Rankweil. Ihr Bruder Lorenz, der vier Jahre älter ist, hat früh mit dem Fussballspielen aufgehört. Die Eltern Monika und Gerhard sind an fast jedem Spiel ihrer Tochter dabei. In Rankweil ist Hannah bereits als Fünfzehnjährige im Kader des Frauenteams, das in der zweithöchsten österreichischen Liga spielt. Dort kommt sie zu gelegentlichen Einsätzen.

Dennoch wechselt sie zum FC Staad und fühlt sie sich am Bodensee rasch daheim. Im Schweizer Fussball gefällt es der Österreicherin so gut, dass sie sich hier eine Karriere vorstellen könnte. Da ihre Grossmutter mütterlicherseits aus Altendorf im Kanton Schwyz stammt, kommt sie sogar zu einem Schweizer Pass. Seit einem halben Jahr ist sie Doppelbürgerin – und gehört bereits zum Kader der Schweizer U-19-Nationalmannschaft.

Im Nationalteam – ohne Spiel

Im vergangenen September wird sie als Neuling ins Trainingslager des Nationalteams eingeladen. «Das erste Training ist mir gar nicht gelungen», sagt sie ganz deutlich, «und dann hat mich Nora Häuptle, die Trainerin, für keines der drei Spiele gegen Norwegen, Schweden und Holland berücksichtig. Aber ich gebe nicht auf.»

Ihr Ziel ist klar: «Ich kämpfe. Ich möchte einen Stammplatz bei St. Gallen-Staad und in der Junioren-Nationalmannschaft erreichen.» Der Weg ist noch weit…