Claudia Stilz (mitte) kann oftmals nur unfair vom Ball getrennt werden. Gegen Yverdon gelang ihr dennoch ihr 100. Meisterschaftstor für den FC Staad – Archivbild: Florian Hepberger

Kürzlich schoss NLA-Spielerin Claudia Stilz ihr 100. Meisterschaftstor für den FC Staad. Eine beeindruckende Bilanz: Die 30-Jährige erzielte diese Treffer in rund 250 Partien auf nationaler Ebene.

Durchschnittlich hat die Staader Rekordtorschützin und -spielerin in jedem zweiten oder mindestens dritten Meisterschaftsspiel getroffen. Eine sehr gute Quote, zumal ihr Heimclub einer der kleinen Vereine ist. Ein Ausbildungsverein, der stets die besten Spielerinnen an grössere Clubs abgeben musste. Auf ihre Topskorerin konnte sich der FC Staad aber stets verlassen.

Torjägerin ohne Torflaute
«Eine länger andauernde Torflaute hatte ich tatsächlich nie», sagt Claudia Stilz und erklärt: «Auch wenn es nicht läuft, muss man den Willen und Ehrgeiz aufbringen, jeden Weg zu gehen und stets um jeden Ball zu kämpfen. So zwingt man das Glück wieder auf seine Seite.» Im Frühling vor zweieinhalb Jahren verspürte sie diesen Drang, das Beste zu geben, nicht mehr, fühlte sich blockiert und nahm sich eine Auszeit – ging für ein halbes Jahr auf Weltreise. Dabei verabschiedete sich die damals 28-Jährige auch aus der Schweizer Nationalmannschaft, in die sie erst kurz zuvor berufen worden war und wo sie in sechs Einsätzen an die Leistungen im Club angeknüpft hatte.

Fussball als Bestandteil des Lebens
«Die Auszeit tat mir gut, hatte ich doch zuvor viermal Training und ein Spiel pro Woche. Ich hatte so Zeit, mich beruflich umzuorientieren und begann dann auch eine Ausbildung als medizinische Masseurin. Aber ich vermisste den Fussball und stieg nach kurzer Zeit wieder voll ein.» Als 30-Jährige zählt sich die Topskorerin noch lange nicht zum alten Eisen, auch wenn jüngere, professioneller ausgebildete Fussballerinnen nachdrängen. «Der Kopf, respektive die Erfahrung, kann vieles kompensieren. Grössere Probleme verursacht die Professionalisierung im Frauenfussball auf Vereinsebene. Einem kleinen Club wie Staad werden die talentierten Spielerinnen immer früher weg geholt.» Diese hätten so keine Zeit mehr, sich zu entwickeln, müssten schon sehr jung Top-Leistungen erbringen.

Grosses Einzugsgebiet braucht einen Top-Verein
«Wenn es aber kleine Vereine nicht mehr schaffen, auf höchster Ebene zu spielen, dann gehen dem Schweizer Fussball auch immer mehr Einzugsgebiete verloren, in denen junge Talente erkannt und an den professionellen Fussball herangeführt werden», sagt Stilz.

(rew)