Jana Brunner (li.) wird ab der Rückrunde im rot-blauen Dress des FC Basel auflaufen – Archivbild: Florian Hepberger

Sieben frühere Staader Spielerinnen kicken bei NLA-Grossvereinen, eine weitere hat gar die Champions League gewonnen. Drei Trainerinnen mit Vergangenheit auf dem Bützel sind für hochdotierte Equipen in der Schweiz verantwortlich.

Yves Solenthaler, Rheintaler

In der Sprache des Profifussballs gibt es die Nachwuchsabteilung nicht mehr. Wenigstens Youth muss es schon heissen, bevorzugt aber noch etwas mit Future und Champs. Unterrichtet werden die Talente nicht auf dem Sportplatz Wiesenacker, sondern in der Academy oder auf dem Campus, wenn es ein Verein ist, der sich für nobel hält.

Eine Akademie unterhält auch der FC Staad, er bildet Fussballerinnen auf höchstem Niveau heran. Der Dorfclub, der seit acht Jahren in der NLA spielt, fasst seine Nachwuchsteams sprachlich aber als Juniorinnen in einer JG mit Rheineck und Goldach zusammen.

Fussballschule zwischen Tennis- und Turnhalle

Auf dem Bützel sieht es nicht aus wie an einem Ort, den man sich vorstellt als Ausbildungsstätte von Spitzenfussballerinnen. Auf engem Raum liegen Tennis- und Doppelturnhalle, am Clubhaus vorbei führt ein schöner Veloweg, der Hauptplatz ist holprig und die Anzeigetafel marod, die ihn umgibt. Aber seit zwei Jahren schmückt ein Kunstrasen das Anwesen, das sich seither Bützelpark nennt, auch wenn das Gelände einem Park nicht im Ansatz ähnelt.

Bützelgarten wäre passender, allein schon wegen der Blüten, die hier zum Spriessen gebracht werden. Die schönsten von ihnen helfen mit, die Schweizer Frauenfussball-Landschaft zum Blühen zu bringen.

Sie werden früh verpflanzt in weniger garstige Gegenden, die auf dem kargen Bützel erworbene Robustheit hilft ihnen aber dabei, sich andernorts durchzusetzen.

Besonders heimisch fühlen sich die Fussballspielerinnen, die in Staad ausgebildet werden, im St.-Jakob-Park des FC Basel. Die 19-jährige Jana Brunner, die in diesem Winter dorthin wechselt, wird auf vier Spielerinnen mit Staader Vergangenheit treffen: Sabrina Horvat hat denselben Schritt wie Brunner im Sommer gemacht. Die Österreicherin ist bereits Stammspielerin im Team von Trainerin Sissy Raith, die ebenfalls im Sommer nach vier Jahren in Staad ans Rheinknie gezogen ist.

Zwei weitere Staader Exporte, Egzona Selimi und Sandra Aloi, hatten auf dem Weg nach Basel beim FC Zürich einen Zwischenhalt eingelegt. Auch sie kamen in der Vorrunde zu Einsätzen beim Tabellenzweiten der NLA, wobei die Rebsteinerin Sandra Aloi lange verletzt ausfiel. Noch im U19-Team spielt Sarah Klotz, eine weitere Vorarlbergerin, die den Bützel als Tor zum Schweizer Fussball genutzt hat. Ebenso wie Nina Schepis; sie wechselte im Sommer 2015 von Staad nach Basel, legt seit diesem Sommer aber eine Wettkampfpause ein.

Weniger Geld, Training und Glamour

«Wir sind ein Ausbildungsverein», sagt Luc Haltner, Leiter der Frauenabteilung des FC Staad. «Materiell haben wir zwar nichts davon, vor allem seit die Ausbildungsentschädigungen abgeschafft worden sind, aber die vielen Ex-Staaderinnen, die in Spitzenvereinen erfolgreich sind, bestätigen die Qualität unserer Arbeit.»

Und dies sei auch ein Argument im Bemühen, neue Spielerinnen auf den Bützel zu locken: «Wir sind offenbar ein gutes Sprungbrett. Für viele junge Spielerinnen wäre es erfolgversprechender, bei uns in der NLA zu spielen statt in einen Grossclub im zweiten Team.» Aber er verhehlt auch nicht, dass dieses Argument bisher selten verfängt. Staad zahlt keine Löhne, nicht mal Prämien. Aber es geht nicht nur ums Geld: Spitzenteams haben Halbprofi-Betrieb mit Trainings am Morgen, in Staad kommen die Spielerinnen viermal wöchentlich abends ins Training. «Wir hätten inzwischen die Ressourcen, um auch solche Trainings anzubieten», sagt Haltner. Möglicherweise werde ein Vormittags-Trainingsbetrieb aufgezogen. Aber bei beruflich oder schulisch voll beschäftigen Spielerinnen ist das nicht so einfach: «Einer ginge es nur am Dienstag, einer anderen am Mittwoch oder Donnerstag.»

Für viele Spielerinnen sind selbst weniger erfolgreiche Vereine wie der FC St. Gallen begehrter. Was auch an der peripheren Lage von Staad liegt: Die Anfahrt dauert länger und die Städte mit grossen Universitäten liegen nicht gerade um die Ecke. «Oft ist aber das Image der wichtigste Grund, der gegen ein Engagement bei uns spricht: FC Basel tönt besser als FC Staad», sagt Haltner, «ich illustriere das oft mit einem Beispiel aus dem Männerfussball: Wer die Wahl hat zwischen Bayern München und 1860 München, geht wohl zu den Bayern.»

Vom Bützel zum Champions-League-Sieg

Nicht bei den Bayern, aber ebenfalls in der Bundesliga kickt Noelle Maritz. Sie hatte in der Saison 2007/08 als etwa 12-Jährige bei Staad gekickt, inzwischen spielt die 35-fache Schweizer Nationalspielerin beim VfL Wolfsburg, mit dem sie 2014 die Champions League gewann.

Bei YB in Bern spielt Jasmin Schweer, die als Juniorin ebenfalls in Staad gespielt hatte und via St. Gallen in die Bundesstadt wechselte. Ihre Trainerin dort, Marisa Wunderlin, hat (als Spielerin) ebenfalls eine Vergangenheit auf dem Bützel.

Die Thurgauerin Karin Bernet, die heute beim Schweizer Meister FC Zürich spielt, hat einen Teil ihrer Ausbildung ebenfalls beim FC Staad genossen.

Und U19-Nationaltrainerin Nora Häuptle, die bei Jana Brunner den Ehrgeiz geweckt hat, es im Spitzenfussball zu versuchen, hatte ebenfalls mal in Staad ihre Fussballschuhe geschnürt. «Sie war ein Schlitzohr», erinnert sich Haltner, «damals war Häuptles Trainerkarriere nicht absehbar.»

Mit Nora Häuptle kam erstmals eine Auswahl-Trainerin zum SFV, die Spiele auf dem Bützel besucht. Auf diese Weise meint das Haltner zwar nicht, wenn er sagt: «Wir würden uns natürlich freuen, wenn die eine oder andere Spielerin später zu uns zurückkehrt.»

Aber auch die temporäre Rückkehr aus Interesse schätzen sie im Verein: «Die meisten ehemaligen Spielerinnen kommen immer wieder gerne auf den Bützel», sagt Haltner.

 

Ohne NLA-Team würde die Ausbildung leiden

Dieser familiäre Aspekt zeichnet Staad aus. Wie in Neunkirch eine Retorten-Mannschaft aus dem Boden stampfen, die mit vor allem ausländischen Spielerinnen um den Schweizer Meistertitel mitspielt, ist keine Option. «Schweizer Meister werden wir mit grosser Sicherheit nie», sagt Haltner. Aber den Platz in der NLA verteidigen die Staaderinnen so lange, wie es mit vernünftigen Mitteln geht.

«Wir haben 200 in zehn Teams im Verein. Wir bieten ebenso Breiten- wie Spitzenfussball an», sagt Haltner, aber ohne die Perspektive NLA wird es noch schwieriger, talentierte Spielerinnen auf den Bützel zu locken.